Häufig gestellte Fragen (FAQ): Ein Lehrer fragt: Obszöne Sprache als Umgangston in der Schule.

Thema: Ein Lehrer fragt: Obszöne Sprache als Umgangston in der Schule.

Frage, wie sie uns so oder ähnlich häufig gestellt wird:

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Guten Tag liebes sextra team,

gehört es tatsächlich bereits zum Umgangston von Grundschülern, wenn ein Mädchen einen anderen Jungen auffordert: "Leck mich an der Muschi. Ich leck dich am Schwanz."? Ich bin mir nicht im Klaren, wie weit ich als Grundschullehrer das innerhalb der Sexualkunde aufnehmen soll oder nicht.
Andreas* m 35 Jahre

Hier die Antwort vom pro familia sextra Online-Beratungsteam:

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Guten Tag Andreas,

Ihre Frage kann mit Ja und Nein beantwortet werden. Es ist typisch, dass Grundschüler sich den altersmäßig allmählich herannahenden Ebenen der Sexualität durch vulgäre Sprache nähern. Sie machen fast eine Art "Vorspiel" auf der sprachlichen Ebene. Da sie alles konkret Körperliche mit dem anderen Geschlecht noch scheuen, nähern sie sich den neuen Lebenswelten durch freches Reden. Das ist schon ein bisschen sexuell, aber eben doch nicht wirklich. Sie setzen sich psychisch mit alledem, was da mit der Pubertät dann heftig auf sie zukommt, auseinander. Dies zum Verständnishintergrund, warum Kinder häufig so frech und provozierend reden.
Das heißt allerdings nicht, dass man dem nicht auch Einhalt gebieten sollte.
So wie man nicht überall und bei offener Tür mit seiner Liebe schmust, so kann man auch nicht überall und unkontrolliert alles rauslassen, was man gerade als Phantasie im Kopf hat. Das müssen und sollten Kinder lernen. Es spricht also gar nichts dagegen, den frechen Redensarten Einhalt zu gebieten und für eine etwas "gepflegte" Kultur des Umgangs miteinander einzutreten. Kinder sollten lernen, dass es öffentliche Räume gibt, in denen Regeln und Sitten gelten, die es in einer Kultur einzuhalten gilt. Es schadet Kindern nicht, dies zu lernen, da sie dabei lernen, dass es intime Bereiche gibt, in denen ich mit jemandem Vertrautem alles mögliche aussprechen darf. Und dass es öffentliche Bereiche gibt, in denen ich auf Andere und ihre Gefühle Rücksicht zu nehmen habe. Das zu lernen ist wichtig und macht Kinder nicht verklemmt, sondern kultiviert. Im Rahmen ihres Sexualunterrichts könnten sie insofern darauf eingehen, dass Sie mit Kindern die Unterscheidung von öffentlich und privat und den dazugehörigen Gefühlen besprechen.

Auf alle Details von frechen Redensarten würde ich –im Sinne von Information- nicht unbedingt eingehen. Kinder sind nicht dumm und meist besser informiert als wir meinen. Über Gefühle und deren Verletzbarkeit zu sprechen ist meist wichtiger, als sich in dann doch etwas peinlichen Redensarten zu ergehen und durch dieses öffentliche Darüber- reden gerade das Bedürfnis von Intimität wieder zu verletzen.
Mit freundlichen Grüßen das sextra team

* Name von der Redaktion geändert


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