Häufig gestellte Fragen (FAQ): Keine Lust auf Sex nach der Geburt eines Kindes

Thema: Keine Lust auf Sex nach der Geburt eines Kindes

Frage, wie sie uns so oder ähnlich häufig gestellt wird:

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Guten Tag liebes sextra team,

seit unsere Tochter auf der Welt ist (sie ist jetzt fünf Monate alt), hat meine Frau kein Interesse mehr an Sex. Ich gehe wirklich auf sie ein, habe mich schon zurückgenommen, nur von ihr kommt fast nichts mehr. Sie sagt, sie hat einfach kein Interesse an Sex mehr, da sie emotional dem Kind alles gibt. Jede Berührung ist oft schon zuviel. Was kann ich tun, um ihr die Freude am Sex zurückzugeben. Ich möchte auch nicht ständig Druck machen, das verschlimmert alles noch! Trotzdem leide ich unter diesem Zustand. Danke für die Hilfe!
Jochen* m 30 Jahre

Hier die Antwort vom pro familia sextra Online-Beratungsteam:

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Guten Tag Jochen,

leider ist viel zu wenigen jungen Paaren bekannt, dass ein Kind zu bekommen eine enorm große Umstellung für die Partner ist. Davon ist in aller Regel auch die Sexualität betroffen. Es ist häufig, dass Frauen nach einer Geburt zunächst für mehr oder weniger lange Zeit wenig oder keine Lust auf Sexualität haben. Das hat zum einen erst mal mit dem Heilen der Geburtswunden zu tun, dann aber auch mit den ganzen hormonellen Veränderungen und Umstellungen, die durch und nach einer Schwangerschaft stattfinden. Darüber hinaus hat es aber auch sehr mit der Psyche zu tun. Eine Frau, die ein Baby geboren hat, ist zuallererst innerlich und äußerlich mit dem Kind beschäftigt. Das ist normal und ist gewissermaßen ein "Trick" der Natur - nämlich, wenn die Bedürftigkeit des Babys bei der Frau an allererster Stelle kommt, dann ist das Überleben des Kindes am besten gesichert. Babys hängen ja zunächst sehr vom Körper der Mutter ab, werden da genährt, versorgt, beruhigt. Insofern ist die Mutter (und ihr Körper) häufig durch das Baby regelrecht "besetzt". Viele Frauen erleben das dann so, dass sie mit dem Dasein für das Baby im Moment genug haben und es ihnen dann zu viel wird, für die körperlichen (sexuellen) Bedürfnisse des Partners auch noch zuständig zu sein.

Häufig entsteht an diesem Punkt ein fataler Teufelskreis: die Männer haben das Gefühl, dass sie, seit das Kind da ist, überhaupt keine Wichtigkeit mehr haben. Logischerweise sind sie auch mehr oder weniger etwas eifersüchtig. Die Frau wiederum ist durch all das Geschehen und all die Umstellungen rund um Schwangerschaft, Geburt, Stillen und Versorgung des kleinen, bedürftigen Kindes innerlich und äußerlich so ausgelastet, dass sie einfach nicht noch mehr kann. Manchmal auch einfach ihren Körper nicht mehr -und sei es beim Sex- mit jemandem teilen mag. (Wahrscheinlich ist das etwas, was sich Männer nur schwer vorstellen können, was es bedeutet, durch Schwangerschaft, Geburt und Stillen seinen Körper ständig noch jemandem zur Verfügung zu stellen.) Der Teufelskreis: sie hat ihren Körper schon genug geteilt, er fühlt sich aber zu wenig beachtet und liebevoll bedacht. Ärger aufeinander in der Partnerschaft entsteht, weil der eine die Bedürfnisse des anderen nicht nachfühlen kann. Wichtig scheint mir, dass Männer versuchen sich vorzustellen, welch enorme körperliche und psychische Anstrengung und Veränderung es für die Frau bedeutet, ein Kind auf die Welt zu bringen und zu ernähren. Gewissermaßen sollten Männer verstehen, dass auch sie jetzt teilen müssen: die Liebe wie auch den Körper der Frau mit dem gemeinsamen Kind. Es braucht alles Zeit und eine Frau muss erst körperlich und psychisch wieder zu Kräften kommen, eh dann auch wieder Platz für die Sexualität ist. Wenn die Frau diese Zeit haben darf, wenn sie das Gefühl hat, dass ihr Partner etwas von diesen Grund-Belastungen verstanden hat und sich mit darauf einstellt, dann wird die Zuneigung zu ihm da sein, dann wird sie auch am ehesten das Gefühl haben, dass er an all den Veränderungen "mitträgt". Das stärkt die Liebe - und das ist die beste Vorrausetzung, dass auch die Sexualität wieder Nährboden bekommt. Wenn es irgend geht, ist es besser, nicht mit Bedrängen und Streit in dieser Zeit zu reagieren, sondern mit Zeitlassen und Verständnis für all die Prozesse, sowie mit Verwöhnen und liebevollem Teilen aller Pflichten. Dann kann die Frau sich am besten erholen und kann am ehesten auch wieder Lust empfinden für ihren Mann.

In der Regel kommt die Lust an der Sexualität bei Frauen allmählich innerhalb des ersten Lebensjahres des Kindes zurück. Wenn ein Paar nach dieser Zeit nicht wieder zu einer sexuellen Beziehung findet, wenn das „asexuelle“ Zusammenleben innerhalb von ein bis eineinhalb Jahren nach der Geburt eines Kindes sich nicht ändert, dann sollten Paare nicht länger zuwarten, sondern anfangen, sich Gedanken zu machen, weshalb ihre Lust auf der Strecke geblieben ist. Wenn sie alleine nicht weiter kommen oder sich in Diskussion und gegenseitiger Schuldzuweisung aufreiben, dann kann es wirklich helfen, in Beratung zu gehen (unsere Beratungsstellen in Ihrer Nähe finden Sie über unsere Homepage), um herauszufinden, was es ist, dass die Lust nicht zurück kommt. Es kann individuell sehr unterschiedliche Gründe haben, wenn Lust langfristig ausbleibt und muss deswegen auch immer sehr individuell geklärt werden – um dann hoffentlich wieder Lust aneinander empfinden zu können.
Mit freundlichen Grüßen das sextra team

* Name von der Redaktion geändert


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